O-Ton-Statements und Interviews vorbereiten

Worum geht es?

Oft wird im Journalismus mit Interviewsequenzen und sogenannten O-Ton-Passagen gearbeitet. Es kommen also Expertinnen, Augenzeuginnen und Personen zu Wort, die zum jeweiligen Thema etwas beitragen können. Die Kunst besteht darin, die richtigen, d.h. die wirklich interessanten Fragen zu stellen und die Antworten zu bekommen, die man haben möchte. Wie das geht, erfahrt ihr in diesem Lernmodul.

Du lernst konkret

  • Du kennst unterschiedliche Fragetechniken und Fragetypen für Interviews. 
  • Du kannst O-Ton-Statements, Situationen mit O-Ton und Interviews unterscheiden. 
  • Du übst die Gestaltung von O-Tönen und verbesserst deine Skills. 
  • Du weisst, wie O-Ton-Statements, O-Ton-Situationen und Interviews mit der Kamera gestaltet werden können. 
  • Du weisst, welche Bedeutung Zwischenschnitte bzw. Schnittbilder und Insertaufnahmen haben.  

Hintergrundinfos

01 O-Ton-Statement, Situation mit O-Ton, Interview

Wir können drei Formen unterscheiden, wie Personen in Beiträgen zu Wort kommen. Häufig findet man sogar alle drei Formen in einem Beitrag. Längere Interviews sind in Wissenssendungen allerdings eher selten. O-Ton-Statements und Situationen mit O-Ton sind dagegen sehr häufig zu sehen. Hier sind die wichtigsten Merkmale der drei Formen zusammengestellt:

O-Ton-StatementSituation mit O-TonInterview
Anzahl Personeneineeine + X Personenzwei
Handlungkeine Handlung (ausser in Inserts)jemand erklärt und handelt dabei, jemand fragt etwaskeine Handlung, Personen haben feste Platzierung
Hintergrundbewusst gewähltder Situation entsprechendbewusst gewählt und gestaltet
Insert-Aufnahmenwenn O-Ton Statement länger als 10-15 Sek.keine erforderlich, stattdessen Five-Shots, Raum-Establishingkeine erforderlich, statt dessen: Reaction-Shots, Details (z.B. Hände)
Bewegungkeine Kamera- oder ObjektbewegungKamera- und Objektbewegungen entsprechend der Situation (Five-Shots statisch)Eher keine Bewegung, evtl. leichte Slides (gleitende langsame Fahrten)
Fragenkeine Fragen, nur Statements (Aussagen, die Frage muss in den Aussagen enthalten sein)Erklärungen, Fragen sind auch möglichFragen und Antworten
02 O-Ton-Statements produzieren

O-Ton-Statements sind herausfordernd. Ein*e O-Tongeber*in muss in 30 bis maximal 45 Sekunden einen Sachverhalt verständlich und fachlich korrekt auf den Punkt bringen. Das liegt nicht allen gleichermassen. Für euch als Redakteur*innen ist es aber auch kein Spaziergang. Was also ist zu tun? Hier der Reihe nach. Schaut euch aber erstmal unser Beispiel an, das wir zum Thema Laser-Cutter gedreht haben.

03 O-Ton-Situationen produzieren

O-Ton-Situationen sind nicht so leicht planbar wie O-Ton-Statements. Fragen ergeben sich spontan aus der Situation heraus. Wenn ihr die handelnde Person einfach mit der Kamera verfolgt und aufnehmt, was sie sagt und erklärt, ist das schonmal super. Danach könnt ihr zusätzlich noch 2-3 Five-Shots drehen, damit ihr beim Schnitt flexibel seid und für zusätzlichen Augenkitzel sorgt. Für die Aufnahme gelten die selben Punkte wie bei den Statements.

Unser Beispiel für eine O-Ton-Situation
04 Interviews produzieren
Unser Beispiel: Interview zum Thema Laser Cutter in der Schule (mit Vorabbriefing)

Interviews sind – journalistisch betrachtet – eine hohe Kunst. Es bedarf einer Mischung aus intensiver Recherche und thematischer Fokussierung, intelligenter Fragetechnik, sensiblem Zuhören und sehr hoher Konzentration. Interviews können manchmal eskalieren, wie das berüchtigte Beispiel von Klaus Kinski zeigt. Oder die Interviewpartner sind sehr zurückhaltend mit Informationen, wie es Herr Nowottny im Jahr 1972 beim Interview mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Willi Brandt erleben musste.

Interview mit Klaus Kinski
Friedrich Nowottny interviewt Willi Brandt und stellt ausschliesslich geschlossene Fragen.

05 Für Profis: O-Töne oder Interviews mit zwei Kameras aufnehmen
06 Tontechnische Aspekte

Im Film ist der Ton mindestens so wichtig wie das Bild. Beim Filmen hingegen wird oft das Augenmerk auf das perfekte Bild gelegt und der Ton geht schnell mal vergessen. Wir denken, wir hören mit unseren Ohren sowieso, was auf der Tonebene alles geschieht. Doch die Kamera hört oft anders als wir. Um die volle Kontrolle über den Ton zu haben, hilft nur die Verwendung eines möglichst geschlossenen Kopfhörers. Ansonsten kann es sein, dass die Kamera Störgeräusche oder eine schlechte Tonqualität aufzeichnet und wir dies erst zu spät beim Schnitt entdecken.

Nachfolgend findet ihr einige Tipps und Tricks, wie ihr diese Tonpannen umgehen könnt und wie ihr mit der geeigneten Mikrofon-Wahl ein Optimum an Tonqualität erreichen könnt – sei es bei Interviews, bei O-Ton-Passagen oder bei der Aufzeichnung von «Atmo» (kurz für Atmosphäre).

07 Mikrofontypen

Grundsatz: Sobald mit externen Mikrofonen gearbeitet wird, muss der Ton zwingend mit einem Kopfhörer kontrolliert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Ton auch in der gewünschten Qualität aufgezeichnet wird. Zudem zeigen die VU-Meter auf dem Kameradisplay, ob Ton aufgezeichnet wird. Wenn hier nichts ausschlägt, ist ev. das Mikrofon noch ausgeschaltet oder die Batterien sind leer. Jedenfalls wird kein Ton aufgezeichnet.

Vergleich: Funkstrecke vs. Richtmikrofon

Aufgabe

Bereitet in eurem Filmteam ein kurzes O-Ton-Statement vor, das einen Bezug zu eurer Thematik hat.

  • Sucht dabei die optimalen Fragen, um möglichst genau die Informationen zu erhalten, die ihr für euren Film benötigt.
  • Vereinbart, wer die O-Ton-gebende Person ist.
  • Überlegt euch eine (trotz Webcam) optimale Cadrage
  • Übt die O-Ton-Statements einige Male.

Spielt die O-Ton-Szene dem Plenum vor. Die Zuschauenden geben euch Rückmeldungen, was gut gelungen ist und Tipps und Anregungen, was aus ihrer Sicht noch besser gemacht werden könnte.

Folgende Fragen versuchen die Zuschauenden zu beantworten:

  • Was war die Fragestellung?
  • Was war die Kernaussage?
  • Wie verständlich war die Kernaussage?
  • Welches Material könnte man für Inserts zusätzlich filmen?

Ressourcen und Links

Last modified: 26. November 2020

Comments are closed.

Close